Menschlich bleiben entlang der Balkanroute.

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FREE THE HARMANLI 21!

CALL FOR AN INTERNATIONAL WEEK OF SOLIDARITY ACTIONS IN SUPPORT OF THE IMPRISONED MIGRANTS FROM HARMANLI

On 24th of April, 2018 was the first hearing against 21 arrested migrants accused of participation in a violent riot in the so-called “open camp” of Harmanli, in 2016. The riot broke out when the camp was put under unlawful quarantine after pressure from the far right’s anti-immigrant propaganda. 21 Afghani people were sent to court despite clear evidence of police brutality and of random mass beatings after the riot. No police was investigated.

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The next hearing will be on the 5th of June, 2018 at the Regional court in Harmanli.

  • We are planning a week of local actions in solidarity with the Harmanli 21 until the new date of the trial.
  • We call for solidarity actions in front of each Bulgarian embassy or consulate, demanding the immediate еnding of the trial, release of the 21 migrants and investigation of the police brutality against the people in the camp.

The 21 migrants continue to be held in the detention centre of Lyubimets, facing the threat of deportation back to Afghanistan or of prison sentence in Bulgaria. The whole trial is totally absent in most of the media and society in general. We believe that only pressure from inside and outside can help put this trial out in the public eye, especially in these last 2 months of Bulgarian presidency of the EU council.

The week of actions is from Monday, 28th of May to Tuesday, 5th of June, 2018.

Apart from that you can help by starting campaigns in your countries and cities in order to inform your local society about the Harmanly 21 case.

Only united we can resist the brutality of the Bulgarian state and of “Fortress Europe”!

SOLIDARITY, JUSTICE AND FREEDOM FOR THE HARMANLI 21!

Antifa Sofia and comrades
More information:

Tag der offenen Tür – Flohmi

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So. 03. Juni 2018 ::: 10:00 – 16:00

Sonnenweg 15, 3098 Köniz (Sonnenhaus) ::: Komm vorbei und lass dich über die Projekte für Geflüchtete Menschen informieren:

  • Deutschkurse
  • Näh- und Bastelatelier
  • Kinderzimmer
  • IT Unterricht
  • Wohnungssuche
  • Allgemeine Hilfe

Schlendere durch den hausinternen Flohmi, welcher mit zahlreichen Kleidungsstücken und sonstigen Gegenständen bestückt ist, die wir nicht in die Camps schicken können. Geniesse musikalische Unterhaltung und lösch deinen Durst an unserer kleinen SpendenBar.

Wir  freuen uns auf deinen Besuch. Hast Du Sachspenden, die du mitbringen möchtest? Wir sind da und nehmen auch Sachspenden entgegen.

100 Meter neben dem Bahnhof Köniz – 20 Meter neben der Bushaltestelle. Parkplätze sind beim Haus keine vorhanden. Blaue Zone nutzen.

 

Klassik im Dachstock – “Barock Edition” – Soli für Open Eyes

So. 10. Jun. 2018, 19h

Dachstock Reitschule, Neubrückstrasse 8, Bern ::: Tickets ab 25.- (Petzi)

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Sarah Widmer, Mezzosopran
Lisa Läng, Sopran
Laura Schiemann, Sopran
Ruben Monteiro, Bariton
Lee Stalder, Cembalo

Orchester Campo fiorente
Vokalensemble Suppléments musicaux
Moritz Achermann, Leitung

Rund sechzig KünstlerInnen werden den Dachstock in ein Opernhaus verwandeln. Und das Ganze für einen guten und wichtigen Zweck: Der gesamte Erlös fliesst an OPENEYES und die von ihnen unterstütze Projekte für Geflüchtete um Afrin, Rojava.

Wer auch ohne Konzert für die Projekte spenden möchte, vermerke bitte bei der Einzahlung „Afrin“ auf PC: 61-499563-0 // IBAN: CH02 0900 0000 6149 9563 0

Krieg in Afrin

Afrin (kurd. Efrîn) liegt in der syrischen Provinz Aleppo im Bezirk Afrin, rund 65 Kilometer nordwestlich von Aleppo. Im Verlauf des Bürgerkriegs gab die syrische Regierung die Kontrolle über die Regionen an der Nordgrenze auf; vielerorts wurde sie daraufhin von lokalen kurdischen Kräften übernommen. 2013 beschloss die «Partei der Demokratischen Union» (PYD) gemeinsam mit weiteren Kleinparteien im Norden Syriens eine Übergangsverwaltung aufzustellen. 2016 wurde die Demokratische Föderation Nordsyriens (Rojava) ausgerufen.

Afrin ist einer von drei Kantonen der Demokratischen Föderation Nordsyriens (Rojava). Die Föderation steht für eine selbstverwaltete, demokratische Gesellschaft, die auf den Prinzipien eines religiösen und politischen Pluralismus und der Geschlechtergerechtigkeit beruht. Diese beeindruckende und im Nahen Osten dringend notwendige Demokratiebewegung ist in ihrer Existenz bedroht. Da der Kanton Afrin bis 2017 von kriegerischen Auseinandersetzung grösstenteils verschont geblieben ist sowie aufgrund der Nähe zur Metropole Aleppo, hatten sich zahlreiche Binnenflüchtlinge verschiedener Ethnien und Religionen in und um Afrin niedergelassen. Im Frühling 2017 waren in Afrin rund 300’000 Flüchtlinge registriert, dies bei einer Gesamtbevölkerung von nicht einmal einer halben Million.

Am 20. Januar 2018 hat die Türkei den lange befürchteten Angriff auf die rund 2000 km² grosse Region Afrin gestartet. Bereits am ersten Tag waren 72 türkische Kampfjets und zahlreiche schwere Waffen des Nato-Lands an den Angriffen beteiligt. Zu den Bodentruppen der türkischen Armee gehören nicht nur die türkischen Soldaten – teils in deutschen Panzern –, sondern auch die mit ihr verbündeten islamistischen syrischen Milizen (u.a. ehemalige Al-Qaida- und IS-Kämpfer). Der Angriff richtet sich gemäss türkischer Regierung gegen die Volks- und Frauenverteidigungseinheiten (YPG beziehungsweise YPJ), unter deren Schutz die mehrheitlich von Kurdinnen und Kurden bewohnte Region bislang vom Krieg verschont geblieben ist. Die YPG, die das Militärbündnis der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) anführt, ist zudem die bisher vom Westen unterstützte und führende Kraft im Kampf gegen den IS.

Ohne Erlaubnis der Grossmächte wären die Angriffe nicht möglich gewesen. Am ersten Tag der türkischen Angriffe auf Afrin hatten sich russische Militärbeobachter aus der Region zurückgezogen, um «Leben und Gesundheit der russischen Soldaten keinem Risiko auszusetzen», wie das russische Verteidigungsministerium verlauten liess. Moskau wolle Afrin so zur Unterordnung unter das Regime in Damaskus zwingen, hiess es dagegen aus YPG-Kreisen.

Aus dem Nato-Kommando kam bislang kein Stopp-Signal, kein Einspruch, nicht einmal Kritik an den Einsätzen – nur Schweigen. Es wird immense Rücksicht auf das Nato-Mitgliedsland Türkei genommen. Auch aus der EU und der Schweiz ist nur wenig Kritik an der Invasion des Nato-Bündnispartners in Afrin zu hören. Zu gross ist offenbar die Angst, den türkischen Herrscher zu verärgern. Erdogan droht seit langem und offensichtlich erfolgreich damit, die Grenzen für syrische und afghanische Kriegsflüchtlinge in Richtung Europa zu öffnen. Die Invasion der Türkei ist eine eindeutige Verletzung staatlicher Souveränität und darf somit von der Internationalen Staatengemeinschaft nicht schweigend hingenommen werden.

Nach wochenlanger Bombardierung hat die türkische Armee in Zusammenarbeit mit islamistischen Milizen grosse Gebiete im Kanton Afrin besetzt. Zahlreiche zivile Einrichtungen wie z.B. das Spital in Afrin wurden zerstört. In Syrien und besonders in Rojava löst der Angriff der Türkei und der verbündeten Islamisten Angst vor einem weiteren Völkermord wie desjenigen an den Jesid*innen aus. Gegen 300’000 Menschen sind aus Angst vor den Bombardierungen und vor einer ethnischen Säuberung geflohen und sind nun von der Umwelt abgeschnitten. Die geflüchteten Menschen aus Afrin stehen vor einer humanitären Katastrophe. Wo sie früher gelebt haben, überführt die Türkei nun syrische Flüchtlinge aus der Türkei zurück nach Syrien.

Ahmed wegen “Terrorismus” zu 7 Jahren Haft verurteilt

Heute ging das bereits zweite Verfahren in erster Instanz gegen Ahmed H. in Szeged (Ungarn) überraschend zu Ende. Ahmed wurde wegen “illegalen Grenzübertritts” und “Terrorismus” zu 7 Jahren Haft verurteilt. Wir fordern Freiheit für Ahmed! Zeigt eure Solidarität!

Nachdem Ahmed am Morgen erneut gefesselt ins Gericht gebracht wurde, kündigte der Richter überraschend an, dass heute das Urteil fallen werde. Nach kurzem Rückblick auf Dokumente des letzten Verfahrens, starteten die Plädoyers.

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Der Staatsanwalt führte in seinem Plädoyer u.a. als Argumente und Beweise ins Feld, dass Ahmed Moscheen besuchen würde, Aggressivität “Teil seiner Kultur” seien und dass er terroristische Inhalte auf seinem Handy gehabt hätte. Er behauptete, dass Ahmed trotz Wissem über die Grenzschließung mit seinem Verhalten die ungarischen Polizist*innen zur Gewalt gezwungen hätte, was für ihn gleichbedeutend mit Terrorismus ist. Und er beschuldigte “internationale Organisationen” das Gericht zu beeinflussen. Er forderte für Ahmed 17,5 Jahre Haft wegen “illegalem Grenzübertritt als Teil eines Massenaufstandes” und “terroristischem Handeln”.

Im Anschluss folgte das Plädoyer von Ahmeds Verteidiger: Er wies darauf hin, dass Ahmed ein friedlicher Mensch ist und dass er für Familie und Kinder fernab von Chaos und Krieg einen sicheren Ort finden wollte, was der Grund gewesen war, dass er trotz Pass nicht legal nach Ungarn eingereist ist. Ahmed habe 5-6 Mal etwas geworfen, dabei sein völlig unklar ob er jemanden verletzen wollte oder verletzt hat, und er sei nach stundenlangem Warten und Übergriffen durch die Polizei wütend und nicht Herr seiner Sinne gewesen. Er habe das Megaphon benutzt, aber nicht um die Leute aufzustacheln, sondern um sie zu beruhigen. Er sei ein Mediator gewesen, der Polizei-Übersetzer habe kein verständliches Arabisch gesprochen. Und es gebe viele Widersprüche in den Aussagen der Polizist*innen.

Zuletzt führte der Verteidiger aus, dass an keiner Stelle Ahmed versucht habe die Polizei zu zwingen die Grenze zu öffnen, somit sei der Terrorismus-Vorwurf nicht haltbar. Auch hat Ahmed Papiere, damit könne er auch nich wegen “illegalem Grenzübertritt” verurteilt werden. Das einzige mögliche Verbrechen könne “Angriff auf ein Mitglied des Staates” sein.

Ahmed sprach in seinem Plädoyer davon, dass seine Familie aus dem syrischen Bürgerkrieg retten und mit ihnen nach Deutschland reisen alles sei, was er gewollt hatte. Alle legalen Möglichkeiten seien abgelehnt worden. Sie seien auf der Reise vielfach dem Tod begegnet. Sie wollten friedlich weiterreisen, weder seine Religion noch seine Kultur seien gewalttätig. Er sei religiös aber nicht fanatisch. Vor Ort habe er nicht gewusst was die Situation sei und gedacht die Schließung sei nur vorrübergehend. Auch wusste er nicht, dass ein Grenzübertritt strafbar sei. Er sei schuldig Steine geworfen zu haben, aber nicht der anderen Dinge. Er habe niemanden verletzen wollen, es tue ihm leid. Er sei respektvoll gewesen gegenüber den Behörden, er liebe Ungarn.

Nach einer Pause sprach der Richter Ahmed des “illegalen Grenzübertritts” und des “Terrorismus” für schuldig und verurteilte ihn zu 7 Jahren Haft (minus Untersuchungshaft) plus 10 Jahre Auschluss aus Ungarn. Ahmed habe trotz besserem Wissens versucht die Grenze zu überqueren, er habe Steine geworfen um Polizist*inen zu verletzen, er habe zwar kein Ultimatum gestellt, aber die Forderung die Grenze zu öffnen sei genug gewesen.

Im Anschluss kündigten sowohl die Staatsanwaltschaft als auch Ahmeds Verteidiger an gegen das Urteil in Berufung zu gehen.

Wir verurteilen diesen rassistischen Schauprozess und fordern Freiheit für Ahmed!

Migration ist kein Verbrechen!

Bericht in der taz /// Cant evict Solidarity /// Free the Röszke 11

Spendenaufruf – Unterstützt die medizinischen Einrichtungen in und um Afrin

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Afrin (kurd. Efrîn) liegt in der Provinz Aleppo im Bezirk Afrin, circa 65 Kilometer nordwestlich von Aleppo. Im Verlauf des Bürgerkriegs gab die syrische Regierung die Kontrolle über die Regionen an der Nordgrenze auf. Lokale kurdische Kräfte übernahmen vielerorts die Kontrolle. 2013 beschloss die „Partei der Demokratischen Union“ (PYD) gemeinsam mit weiteren Kleinparteien im Norden Syriens eine Übergangsverwaltung aufzustellen. 2016 wurde in der Folge die Demokratische Föderation Nordsyriens (Rojava) ausgerufen.

Da der Bezirk bis 2017 von kriegerischen Auseinandersetzung grösstenteils verschont blieb, sowie aufgrund der Nähe zu der Metropole Aleppo, haben sich zahlreiche Binnenflüchtlinge in und um Afrin niedergelassen. Im Frühling 2017 waren in Afrin 300’000 Flüchtlinge registriert, dies bei einer Gesamtbevölkerung von nicht einmal einer halben Million. Im Norden hat die Türkei die Grenze seit längerer Zeit geschlossen, von Süden her kam es immer wieder zu Angriffen durch islamistische Gruppierungen wie der Al-Nusra-Front (Fatah asch-Scham). Die Region war bereits 2013 nur noch sehr schwer zugänglich.

Aktuelle Situation in Afrin

Mitte Januar 2018 hat die Türkei den lange befürchteten Angriff auf die rund 2000 km² grosse Region Afrin gestartet. Allein am ersten Tag waren 72 türkische Kampfjets an den Angriffen beteiligt. Zu den Bodentruppen der türkischen Armee gehören nicht nur die mit ihr verbündeten islamistischen syrischen Milizen (u.a. ehemalige Al-Qaida und IS Kämpfer), sondern auch türkische Soldaten, beispielsweise in deutschen Panzern sitzend. Der Angriff richte sich gemäss türkischer Regierung gegen die Volks- und Frauenverteidigungseinheiten (YPG bzw. YPJ), unter deren Schutz die mehrheitlich von Kurden bewohnte Region bislang vom Krieg verschont blieb. Die YPG, die das Militärbündnis der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) anführte, war die bisher vom Westen unterstützte und führende Kraft im Kampf gegen den IS.

Der Sprecher von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan, Ibrahim Kalin, erklärte, der Einsatz ginge weiter «bis die Region von der separatistischen Terrororganisation vollständig gesäubert wird.» Ziel sei zudem, dass die rund 3,5 Millionen syrischen Flüchtlinge in der Türkei in ihr Heimatland zurückkehren könnten.

Ohne Erlaubnis der Großmächte wäre ein solcher Angriff nicht möglich. Am ersten Tag der Angriffe hatten sich russische Militärbeobachter aus der Region zurückgezogen, um »Leben und Gesundheit der russischen Soldaten keinem Risiko auszusetzen«, wie das russische Verteidigungsministerium verlauten ließ. Moskau wolle Afrin so zur Unterordnung unter das Regime in Damaskus zwingen, heißt es dagegen aus YPG-Kreisen. Aus dem Nato-Kommando kam bislang kein unmissverständliches Stopp-Signal, kein Einspruch, nicht einmal Kritik, nur Schweigen. Man nimmt unglaublich große Rücksicht auf das Nato-Mitgliedsland Türkei.

Projekte in Afrin

Die Angriffe in den ersten Tagen haben zahlreiche zivile Ziele getroffen. So wurde u.a. die Staumauer bei Meydankê und Krankenwagen des Kurdischen Roten Halbmonds bei Cindirêsê angegriffen. Sowohl in Meydankê als auch in Cindirêsê sind seit 2016/ 2017 von SyriAid finanzierte Gesundheitszentren in Betrieb. Auch das Flüchtlingslager Robar, 10 Kilometer südöstlich von Afrin wurde getroffen, wohin 2017 zwei LKW’s mit Hilfsgüter von unseren Sammelaktionen / Sachspenden geliefert wurden.

Der im Januar 2018 durchgeführt Transport der „mobilen Krankenstation für Afrin“ (Gammler) und dessen Inbetriebnahme musste wenige Tage vor den Angriffen kurz vor der syrischen Grenze gestoppt werden.

Da es zahlreiche zivile Opfer zu beklagen gibt, ist das bereits vor den Angriffen am Limit funktionierende Gesundheitssystem massiv überlastet. Das einzige Spital in Afrin, welches wir seit 2013 unterstützen, kann nur noch die allerschlimmsten Verletzten behandeln. Medikamente kommen wegen den geschlossen Grenzen zur Türkei nur schwer und über teuer Umwege nach Afrin. Der einzige nicht von türkischen Verbündeten kontrollierte Zugang zur Region führt über Aleppo. Dieser wird zurzeit aber von Assad- Verbündeten überwacht und mehrheitlich blockiert. Somit gibt es für die Bevölkerung von Afrin und hunderttausende Binnenflüchtlinge keine Möglichkeit den Angriffen zu entkommen. Leider muss davon ausgegangen werden, dass die Angriffe auf Afrin über längere Zeit anhalten und weitere Opfer zu befürchten sind.


Unterstützt die medizinischen Einrichtungen in und um Afrin – Spenden mit dem Vermerk „Afrin“ an:

Open Eyes Balkanroute
PC: 61-499563-0
IBAN: CH02 0900 0000 6149 9563 0

Transport – Mobile Krankenstation für Afrin (SYR)

photo_2018-01-28_11-55-41Der im Januar 2018 durchgeführt Transport der „mobilen Krankenstation für Afrin“ und dessen Inbetriebnahme musste wenige Tage vor den türkischen Angriffen auf Afrin kurz vor der syrischen Grenze gestoppt werden. Mitte Januar 2018 hat die Türkei den lange befürchteten Angriff auf die rund 2000 km² grosse Region Afrin gestartet. Allein am ersten Tag waren 72 türkische Kampfjets an den Angriffen beteiligt.

Da ein erneuter Transfer nach Afrin zur Zeit nicht realistisch ist, werden die bisher gesammelten Spenden für die medizinische Nothilfe in und um Afrin eingesetzt.

Free the Röszke 11

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Die anfängliche sogenannte »Willkommenskultur« ist längst einem rassistisch aufgeladenen öffentlichen Diskurs gewichen. In diesem Zusammenhang ist die strafrechtliche Kriminalisierung Geflüchteter nichts anders als ein weiteres Element der Abschottungspolitik Europas. Ein Beispiel hierfür ist der Fall von Ahmed H., der als einer der »Röszke 11« in Ungarn wegen Verstoss gegen das Terrorgesetz vor Gericht steht.

Open Eyes unterstützt die Solidaritätskampagne »Free the Röszke 11«

Die Kampagne »Free the Röszke 11« braucht Geld! Spenden an:
Open Eyes Balkanroute
PC 61-499563-0 / Vermerk: Röszke 11


Flucht ist keine Verbrechen ! Grenzübertritt ist kein Terrorismus !

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Als Reaktion auf die steigende Zahl Geflüchteter, die 2015 über die sogenannte »Balkanroute« nach Nord- und Westeuropa gelangten, ergriff die ungarische Regierung unter dem rechtsautoritären Orbán Massnahmen, um die sogenannt »irreguläre Migration« nach Ungarn und in die EU zu verhindern. Am 15.09.2015 wurde der Zaun an der Grenze zu Serbien fertiggestellt – am gleichen Tag traten Änderungen des Asyl- sowie des Strafgesetzes in Kraft. Seither dürfen Asylgesuche nur noch in sogenannten »Transitzonen« gestellt werden, womit der serbisch-ungarische Grenzübergang Röszke, wo in den Tagen zuvor noch mehrere tausend Personen pro Tag in die EU einreisen konnten, von heute auf morgen geschlossen wurde. In der Folge sassen tausende Menschen dort fest.

Seit der erwähnten Revision des Strafgesetzes wird die »illegale Einreise«, d.h. der Grenzübertritt ausserhalb einer Transitzone, mit max. 3 Jahren Freiheitsstrafe bedroht; erfolgt der »illegale Grenzübertritt« im Rahmen von Massenausschreitungen drohen der beschuldigten Person gar bis zu 5 Jahre Haft.

Bereits am 15.09.2015 hatten in Röszke Proteste gegen das neu eingeführte Grenzregime begonnen, welche am Folgetag fortgesetzt wurden – es kam zu Auseinandersetzungen mit der Polizei, zu brutalem Einsatz von Reizstoffen, Wasserwerfern und Schlagstöcken.

Insgesamt wurden 11 Personen verhaftet (die sogenannten »Röszke 11«); darunter Ahmed H. – ein Mann syrischer Herkunft mit zypriotischem Aufenthaltstitel, der sich nur an der Grenze aufgehalten hatte, um seine Familie auf ihrer Flucht von Aleppo nach Deutschland zu unterstützen. 10 der »Röszke 11« wird der illegale Grenzübertritt im Rahmen von Massenausschreitungen vorgeworfen. Einzig Ahmed H. wurde zusätzlich unter dem Anti-Terrorgesetz angeklagt, weil er ein Megafon gehalten und der Polizei mit zwei zum »V« ausgestreckten Fingern ein Ultimatum gesetzt sowie am Grenzzaun Gegenstände gegen die Polizei geworfen haben soll.

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Der politische Aspekt hinter dem Verfahren wird schnell klar: Ahmed H. dient im, auch in Nord- und Westeuropa, rassistisch aufgeladenen Diskurs als Beleg für die angebliche Bedrohung für die Mehrheitsgesellschaft, die von Geflüchteten und Migrant_innen ausgehe. Deshalb ist es leider auch nicht erstaunlich, dass Ahmed H. am 30.11.2016 erstinstanzlich in einem Verfahren, welches sogar das EU Parlament als unfair bezeichnet hatte, ohne ernstzunehmende Abklärung der Fakten zu einer Freiheitsstrafe von 10 Jahren verurteilt worden ist.

Am 15.06.2017 fand in Szeged die zweitinstanzliche Verhandlung statt. In der mündlichen Urteilsbegründung führt der vorsitzende Richter aus, das Gericht könnte gestützt auf die inkonsistenten Akten der Anklagebehörde sowie der Vorinstanz kein Urteil fällen; zu viele Fragen seien ungeklärt. Zudem stimmt das Gericht der Verteidigung zu und stellt fest, dass vorhandene Beweismittel nicht berücksichtigt worden sind. Insgesamt wurde das Verfahren an die erste Instanz zur Neubeurteilung zurückgewiesen.

Leider liess es das Berufungsgericht aber bei einem allgemeinen Appell bewenden, statt der ersten Instanz verbindliche Auflagen zur ergänzenden Beweiserhebung zu machen. Ebenso entschied das Berufungsgericht, Ahmed H. in Untersuchungshaft zu belassen.

Damit befindet er sich nun seit knapp 2 Jahren in Haft und unterliegt nach wie vor strengen Kontakteinschränkungen. Mit der Rückweisung an die erste Instanz entsteht zwar der Raum, dass das Verfahren gegen Ahmed H. künftig »fair« im Sinne der menschenrechtlichen Verfahrensgarantien geführt werden könnte – immerhin. Gleichzeitig besteht aber die Gefahr, dem Verfahren lediglich einen rechtsstaatlichen Anstrich zu verleihen, um den Beschuldigen letzten Endes doch wegen angeblich terroristischer Handlungen zu einer mehrjährigen Haftstrafe zu verurteilen. In welche Richtung sich das Verfahren weiterbewegen wird, kann aktuell nicht vorausgesagt werden – die ungarische Justiz hat in diesem Verfahren ihre Unabhängigkeit aber noch unter Beweis zu stellen.

Auszug aus dem Prozessbeobachtungsbericht der Demokratischen Jurist_innen Schweiz

Freiheit für Ahmed H. !

aktuelle Sammelaktion

Für den Gammler (Mobile Krankenstation für Afrin, SYR) sowie die Flüchtlingslager Robar und Schahba suchen wir fortlaufend:

  • Blutdruckmessgeräte
  • Blutzuckermessgerät inkl. Zubehör
  • Brillen aller Art (vor allem Kinder)
  • Hörgeräte
  • Patientrage
  • Verbandsmaterial (neu)
  • Reanimationsgeräte / Defibrillator
  • Fiebermesser

Weitere Infos zu den Sachspenden finden Sie hier. Ebenso sind wir weiterhin auf Geldspenden angewiesen.

Klassik im Dachstock ::: 02.04.2017

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MORITZ ACHERMANN (Dirigent), SARAH WIDMER (Mezzosopran), Orchester „CAMPO FIORENTE“ und dem Chor „SUPPLÉMENTS MUSICAUX


Soliabend für den Gammler (So. 02.04.2017 19h)

Eine mobile Krankenstation für Afrin (Rojava)


Die Elbphilharmonie kann einpacken! Rund sechzig KünstlerInnen werden den Dachstock in ein Opernhaus verwandeln. Das 26-köpfige ORCHESTER „CAMPO FIORENTE“ und der 30-köpfige CHOR „SUPPLÉMENTS MUSICAUX“, beide dirigiert von MORITZ ACHERMANN, stehen gemeinsam mit der Solistin SARAH WIDMER (Mezzosopran) auf der Dachstock-Bühne. Was das Berner Stadttheater nur mit Millionenzuschüssen schafft, gibt es in unserem geliebten Polit- und Kulturzentrum auch für weniger gut bis schlecht Betuchte: Hochkultur, unter anderem von MAHLER, BRAHMS, SCHUBERT zum Soli-Preis. Es werden sowohl Stücke für Orchester mit Sologesang und A-cappella-Werke für Chor, sowie auch rein orchestrale Werke zum Besten gegeben.